Leichtwinderfahrungen

Die HQ Alpha in der Powerzone bei knapp 2 Bf

Die HQ Alpha in der Powerzone bei knapp 2 Bft

Das Fliegen am ‚Low end‘ – bei 2 Bft und weniger ist ganz anders als im üblichen Windbereich. Während man bei 4 und mehr Bft vom Drachen eher gezogen wird und gegenhalten muß, bedingt das Fliegen bei wenig Wind ein aktives Fliegen. Der Drachen muß eher durch das Windfenster und die Powerzone gezogen werden. Das Loopen wird riskanter, weil der Drachen an Fahrt verlieren kann, und zusammenklappt.
Auch auf die Startposition am Flugfeld hat die Windstärke Einfluss. Bei starkem Wind empfiehlt sich ein Start im Luv, weil man durch die Zugkräfte des Drachens tendenziell in eine Vorwärtsbewegung kommt. Bei Leichtwind dagegen befindet man sich in einer Rückwärtsbewegung um den Drachen immer wieder ziehen zu können. Ein Start im Lee verhindert, dass man über den Flugfeldrand hinaus gerät.

Windverhältnisse und Fluggelände

StartMan muss klar sagen, es gibt gravierende Unterschiede bei den Windverhältnissen im Binnenland im Vergleich zur Küste. Die Küstenwinde sind sehr konstant und daher recht gut einschätzbar. Im Gegensatz dazu ist der Wind im Binnenland auch bei zunehmender Windstärke sehr schwer einschätzbar. Er ist meist böig, bedingt durch Geländeunebenheiten wie Hügel, Häuser und Wälder. Für die Auswahl des Fluggeländes macht es daher einen großen Unterschied, ob man eine leichte Kuppe oder eher eine Lichtung zwischen Gebäuden und Bäumen wählt. Offene Wiesen sind dabei sehr viel besser geeignet. Hinzu kommt, dass auch die Windrichtung leicht wechseln kann. Sie kann innerhalb weniger Minuten um fast 90° drehen. Damit verändert sich das Windfenster schlagartig. Es ist wichtig im Rücken immer den Wind zu spüren, wenn man ein Hinausgleiten aus dem Windfenster vermeiden will.

Aufbau und Start

Bei Aufbau und Start verwende ich zwei grundsätzlich verschiedene Techniken – je nach Drachentyp.
Beim Zweileiner sind Drachen und Leinen + Schlaufen getrennt. Zunächst lege ich daher immer die Leinen aus – an den Schlaufen gesichert mit einem Groundstake. Am Ende der Leinen kann ich dann den Drachen ausbreiten, anleinen und startklar machen. Bei Zurücklaufen lassen sich die Leinen recht einfach sortieren und an den Schlaufen entwirren.
Die Vierleiner – ob mit Handles oder Bar – sind vorschriftsmäßig komplett angeleint. Daher muss hier zunächst der Drachen ausgebreitet werden bevor die Leinen abgewickelt werden können – keinesfalls aber in einem startfähigen Zustand. In einem zweiten Gang werden dann die Leinen vom Drachen aus sortiert und bei den Handles entwirrt. Jetzt werden auch die Kitekiller montiert und die Handles mit einem Groundstake gesichert. Erst im dritten Durchgang mache ich den Drachen startklar.

Zwei- oder Vierleiner

HQ-AlphaEin für mich deutlicher Unterschied ist die Zahl der Leinen im Hinblick auf den Start. Ein Zweileiner ist relativ schnell aufgebaut selbst mit langen Leinen. Sind die Leinen ein wenig über kreuz stört das beim Start nicht, die modernen Materialien sind reibungsarm und der Drachen läßt sich uneingeschränkt steuern. Wenn man schon Loops (Drehungen) beherrscht, lassen sich die Leinen in der Luft wieder entwirren.
Viel Zeitaufwendiger sind die Vorbereitungen bei Vierleinern. Ein Start mit über kreuzten Leinen empfiehlt sich m.E. nicht, auch wenn Vierleiner im Idealfall Rückwärts – und damit auch mit über kreuzten Leinen – gestartet werden können. Neben den beiden Leinensätzen für rechts und links sind beim Vierleiner auch Steuer- und Bremsleinen zu entwirren – und das dauert. Zwar stört auch hier beim Start ein leichtes Überkreuzen von Steuer- und Bremsleine derselben Seite nicht wirklich, im Notfall ist es aber nicht ideal.
Beim Aufbau kommt zudem die Befestigung der Kitekiller am Handgelenk hinzu, ohne die ich nicht fliegen würde.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Zwei- und Vierleinern liegt im Landen. Zweileiner lassen sich nur landen, indem sie aus dem Windfenster geflogen werden – und das klingt je nach Windstärke einfacher als es ist. Vierleiner mit Bremsleinen bieten ein bequemes Landen in nahezu jeder Situation durch starkes Ziehen der Bremsen. Das erhöht die Sicherheit bzw. das Gefühl der Sicherheit enorm.

Steuerung

Hier war für mich der Einstieg über Schlaufen wie sie die kleinen Rtf-(ready-to-fly)Matten mitbringen ebenfalls genau richtig. Eine Lenkstange (Control-bar oder Bar) habe ich zunächst für mich ausgeschlossen. Der Test mit einer Stange am Elliot hat meine Vorurteile bestätigt: Für Anfänger wird die Reaktion eingeschränkt, weil der Abstand der beiden Steuerleinen nicht beliebig stark variiert werden kann. Lenkstange und Drachen bilden gefühlt eine starre Einheit, die ein schnelles Reagieren weniger zulässt.
An die Handles der Vierleiner gewöhnt man sich hingegen schnell. Vor allem bei schwachem Wind mit lose hängenden Bremsleinen fliegt sich der Vierleiner nahezu wie ein Zweileiner.